Thursday, December 11, 2025

Neue Leiden des jungen Bahnfahrers (8)

Irrfahrt im ICE 624


Dieses Mal hab ich besonderes Interesse daran dass die Bahn pünktlich ist. Ich habe von einem Arzt ein Medikament verschrieben bekommen, das sie in den Niederlanden nicht haben. Als ich es bei der Apotheke holen wollte stellt sich raus dass es gekühlt transportiert werden soll. In der Apotheke haben sie mir eine kleine Kühltasche verkauft und ein dünnes, gefrorenes Kühlelement. Ich hoffe dass die Packung damit 7 Stunden kalt bleibt. Es ist schließlich November und in den Zügen der Deutschen Bahn ist es meist im Winter kalt und im Sommer warm.


Warten auf den Zug, Nürnberg Hbf

ICE 624 beginnt in Nürnberg. Dieser Zug sollte mich bis mindestens Köln-Deutz, besser Düsseldorf oder Duisburg bringen, wo ich dann in den ICE 120 Richtung Amsterdam umsteigen kann. Die Wartezeit ist über 30 min, es gibt also Raum für einiges an Verspätung.


Raucherbereich, Nürnberg Hbf

Auf der Anzeigetafel am Bahnsteig wird angekündigt dass der Halt des Zuges in Aschaffenburg entfällt. Das ist beunruhigend. Bei einer meiner letzten Fahrten war der ICE von Frankfurt Richtung München auf freier Strecke bei Grosskrotzenburg stehen geblieben. Es hat sich rausgestellt dass auf dem weiteren Weg Richtung Aschaffenburg die Fahrleitung gebrochen war. Der Zug musste dann zurücksetzen nach Hanau und wurde von dort (unter Ausfall des Halts in Aschaffenburg) über Schlüchtern umgeleitet. Unter beträchtlicher Verspätung wurde die historische Strecke Richtung Fulda befahren, wobei der Zug auch den spannend benannten Bahnhof Sterbfritz durchfährt bevor er bei Mittelsinn (Den Bahnhof Obersinn gibt’s auch, nicht aber Untersinn) auf die Schnellfahrstrecke von Hannover nach Würzburg trifft. Das Stück von Frankfurt nach Schlüchtern ist eines der wichtigsten Abschnitte im ICE Netz der deutschen Bahn. Der Hochgeschwindigkeitszug trottelt da langsam genug vor sich hin so dass man die Sehenswürdigkeiten am Weg bewundern kann. Der Bau einer neuen Schnellstrecke ist seit langem geplant, aber man hat erst lieber die Autobahn ausgebaut.


Wo bleibt er denn?

Der ICE 624 ist voll, Der Zug eine Stunde früher fiel ganz aus. Der Grund waren Arbeiten an der Strecke. Dabei bleibt wie immer bei Angaben von Gründen bei der deutschen Bahn offen welche Arbeiten man durchführen musste. Die Deutsche Bahn bezahlt da wohl eine Kommunikationsabteilung, die dafür zu sorgen hat, dass Durchsagen immer mehr Fragen aufwerfen als beantworten.


Überfüllter ICE, Toiletten außer Betrieb

Meine Vermutung trifft ein. Vor der pünktlichen Ankunft in Würzburg wird umgerufen dass der Zug umgeleitet wird und daher nicht in Aschaffenburg halten kann. Der Grund ist jetzt eine Streckenstörung. Eine präzisere Angabe macht man nicht – ob die Fahrleitung bei Aschaffenburg wieder gebrochen ist?


Wohin fahren die denn?

Neben mir sitzen ein paar Sicherheitsexperten. Wer gedacht hat dass Schweigsamkeit die Tugend eines Sicherheitsexperten sein sollte hat sich getäuscht. Der ältere und Chef der beiden, der am Fenster sitzt, quasselt unaufhörlich. Nach dem Ende der Fahrt werde ich über das Funktionieren der nationalen Polizei und ranghoher Politiker in einem mitteldeutschen Bundesland bestens informiert sein. Sein junger Kollege ist schweigsam und wirft mir stattdessen vielsagende Blicke zu.



Gute Reise...

Nachdem der ICE bei Mittelsinn von der Schnellfahrstrecke auf die Verbindungsbahn Richtung Schlüchtern gewechselt ist geht es im Schneckentempo weiter. Aber immerhin kann ich im schwächeren Licht des Spätherbstnachmittags noch den Blick über die herbstbunten Hänge ins Tal der Sinn genießen. Man muss hier Richtung Frankfurt auf der rechten Seite sitzen, dann kann man kurz hinter Sterbfritz nach dem Verlassen des Tunnels auch noch einen Blick auf die Ruine des Schlosses Ramholz erspähen das von Steckelberg überragt wird. Man muss nur aus dem Zug schauen, aber das macht ja kaum mehr einer….

Multiple Spiegelungen, Nürnberg Hbf

Passend zum Umweg lässt sich der Sicherheitsexperte gerade über das Beamtenleben aus. "Der größte Feind des Beamten ist Veränderung ", meint er. Es ist 16.57. ICE 624 hätte um 16.33 Aschaffenburg verlassen sollen und befindet sich immer noch auf der Verbindungstrasse zwischen den beiden Strecken von Frankfurt nach Fulda und von Würzburg nach Fulda. Während die anderen über ihre lokalen Anschlusszüge im Großraum Köln oder Düsseldorf rätseln fühle ich nach der Temperatur in der Kühltasche. Kalt, aber nicht mehr so kalt…..


Wie lang dauert das noch?

ICE 624 steht jetzt mehr als er fährt. Die Durchsage spricht von “hoher Streckenauslastung”. Der Sicherheitsexperte referiert darüber dass sie abends Probleme gelöst hatten die morgens noch gar nicht bestanden. Diese Problemstellung haben sie bei der Deutschen Bahn jeden Tag. Da die Verspätung mittlerweile auf 59 Minuten gestiegen ist wird deutlich dass der folgende ICE, eine Stunde später, wahrscheinlich früher in Frankfurt sein wird als wir. Weiter hinten schnarcht einer laut.


In einem verspäteten Zug hat mehr Zeit zum Schlafen ....

Auf dem Informationsdisplay über uns sieht man immer noch die ursprüngliche Route. Wenn das Display nicht gerade Propaganda verbreitet wird als nächster Bahnhof Aschaffenburg mit der pünktlichen Abfahrt um 16.33 angezeigt obwohl dieser Zeitpunkt natürlich schon lange Vergangenheit ist. Draußen ist es mittlerweile dunkel so dass ich mich besser auf die Gespräche meiner Mitreisenden, vielmehr des Mitreisenden, konzentrieren kann. Auch der Rest der Passagiere im Waggon, soweit sie nicht in irgendeinen Film auf ihrem Endgerät vertieft sind, scheint seinen Offenbarungen zu folgen.


... und man muss später raus in den Regen

Vielleicht sind sie alle unentdeckte Kriminelle. Denn der Monolog geht jetzt über all die Methoden, die den Kriminalisten heutzutage zur Verfügung stünden um Cold Cases aufzulösen. Man kann sich jetzt auf jahrzehnte-alte, ungelöste Fälle konzentrieren. Da macht man noch interessante Entdeckungen. Die kleinen Kriminellen im Zug werden auch erleichtert vernehmen, dass sie bei diesen neuen Möglichkeiten kaum mehr was zu befürchten haben, denn für kleine Fälle hat man ja kaum noch Zeit und Mannkraft.


Eingang, Hanau Hbf

Endlich haben wir Hanau durchfahren, auch so ein Ort der schon manch einer Zugverbindung fatal geworden ist. Bei Tageslicht ist der Bahnhof ein Paradies für den Bahn-Nostalgiker. Die Signaltechnik bedient sich immer noch der alten, mechanischen Formsignale. Damit man sie hinter dem niedrigen Bahnhofsdach überhaupt sehen kann hat man sie auf zwergenhafte Höhe verkürzt. Da sich in Hanau zwei wichtige Hauptstrecken von Nürnberg nach Frankfurt über Maintal und von Fulda nach Frankfurt über Offenbach kreuzen geht es hier oft langsam voran. Keiner ist offenbar auf die Idee gekommen für durchfahrende Züge eine kreuzungsfreie Umleitung zu bauen. Einen stark verspäteten Zug hier in den sowieso dichten Fahrplan einzufügen ist schwierig. ICE 624 steht längere Zeit vor Hanau.


Zwergsignal, Hanau Hbf

Wie ich selbst ist der Sicherheitsexperte trotzdem unverdrossener Bahnfahrer. Er erzählt von einer Fahrt mit dem Auto auf der Sauerlandlinie. Nach einem Unfall stand er dort für 2 Stunden. Hilfskräfte kamen und haben Wasser und Snacks an die ausgetrockneten und verhungernden Autofahrer verteilt. Schließlich hat die Polizei die auf Autobahn stehenden Autos auf der selben Spur zurück zu der letzten Ausfahrt umgeleitet, wo man dann auf der Umgehungsstrecke weiter im Stau stand. Diese Bemerkungen hat wohl auch der Zugchef verfolgt: Er verkündet, dass für die ausgetrockneten Zugfahrgäste Wasser im Bistro abgeholt werden kann. Eines pro Fahrgast. Früher haben sie das noch durch den Zug getragen. Außerdem weißt er auf die Fahrgastrecht Vergütungen hin. Antrag kann online gestellt werden. Ansonsten haben sie auch die altmodischen Formulare zur Abholung bereit liegen. Ich hab da noch einen ausreichenden Stapel zu Hause auf Vorrat. Ich fühle nach in der Tasche. Die Temperatur ist noch leicht unter der der Umgebung…..


Das markante Stellwerk in Frankfurt

Manchmal wird es sogar mir zu viel bei der DB …. Aber nachdem wir die Engstelle Hanau passiert haben sollte es ja voran gehen. Mit 74 min Verspätung erreicht der ICE 624 Frankfurt. Man hört dass der Schnarchende den Zug nicht verlassen hat.


Frankfurt Hbf

Ich hab vorher darüber gelesen, aber ich dachte es wäre unmöglich. Nach dem üblichen Aufenthalt in Frankfurt Hbf fährt der Zug wie immer in der Gegenrichtung aus dem Kopfbahnhof. Schon nach wenigen Minuten wird der Fortgang allerdings zögerlich, kommt dann ganz zum Halt. Eine Durchsage verkündet dass der Zug bei der Abfahrt fehlgeleitet wurde. Wir stehen jetzt wieder auf der Strecke zurück Richtung Nürnberg. Das Problem wird dadurch gelöst dass man jetzt erst mal bis Frankfurt Süd weiterfährt. Von dort können wir dann nach neuerlichem Richtungswechsel direkt nach Frankfurt Flughafen und weiter Richtung Köln fahren. Was wohl der Lokführer gedacht hat als er gemerkt hat dass er auf der falschen Strecke fährt…. ?


Mainbrücke zwischen Frankfurt Süd und Hbf, die heute zweimal befahren wird

Der Umkehrvorgang in Frankfurt Süd dauert. Der Lokführer muss an das andere Ende des zweiteiligen Zuges laufen und da er jetzt vom anderen Führerstand steuert muss auch wieder eine sogenannte Bremsprobe gemacht werden. Bremsen lösen, überprüfen ob alle Bremsen gelöst sind, Bremsen wieder anlegen, überprüfen ob alle angelegt sind. Für die Fahrgäste werden jetzt die Türen geöffnet, man darf raus und sich die Beine vertreten. Wahrscheinlich hat man auch Angst dass einer es nicht mehr aushält und im Zug eine Zigarette raucht. Der Alarm würde zu weiterer Verzögerung führen.


Aufenthalt zum unplanmäßigen Kopfmachen in Frankfurt Hbf

Ein schreiender Zugführer fordert die Leute auf wieder einzusteigen. Unter Umgehung des Hauptbahnhofs steuern wir jetzt direkt auf den Flughafen zu. Im Ausgangsbereich neben mit schreit eine verzweifelte Frau mit bayrischem Dialekt am Telefon. Sie hat eine Reise gebucht nach Oman. Der Flug soll in Frankfurt um 20.30 abfliegen. Eigentlich wären sie mehr als drei Stunden früher am Gate gewesen. Durch Zugausfall und der Verspätung von 103 Minuten werden sie jetzt erst nach 19.00 in Frankfurt Flughafen sein. Offenbar verspricht ihr die Gesellschaft eine Umbuchung des Fluges. Als sie nach der Ankunft in Frankfurt mit ihren schweren Rollkoffern den Zug verlassen wünsche ich ihnen viel Glück. Den schwierigsten Teil der Reise haben sie jetzt ja wohl hinter sich.


Blick von der Mainbrücke auf die ehemals industrielle Uferbebauung

Die Sicherheitsexperten fragen sich derweil ob der Schnarchende nicht vielleicht schon lange hätte aussteigen müssen. Weiß er wo wir sind und was hier vorgeht? Das Gespräch wendet sich aber bald wieder dem Büroalltag zu. Da gibt es offenbar Kollegen, die zum Plaudern vorkommen. Für die hat der plaudernde Sicherheitsexperte eine klaren Satz parat: „Komm bitte wieder wenn du weniger Zeit hast“.


Frankfurt Flughafen Fernbahnhof als noch lok-bespannte Züge unterwegs waren

Vor der Ankunft in Frankfurt Flughafen kommt die übliche Durchsage zu den möglichen Anschlusszügen. Dabei wird auch die Verbindung mit ICE 224 nach Amsterdam um 19.54 erwähnt in den ich in D:usseldorf oder Duisburg umsteigen wollte. Das hätte mir zu denken geben sollen. Nun ist aber Frankfurt Flughafen einer der traurigsten aktiven Bahnhöfe Deutschlands. Es gibt da nichts. Der Architekt hat diesen Bahnhof so gebaut dass dem abfliegenden Passagier die Abreise leicht gemacht wird. Und ein aus dem sonnigen Süden eingeflogener Besucher bekommt gleich den richtigen ersten Eindruck seiner Bestimmung vermittelt. Funktionell, stillos, unerwünscht. Die wenigen Bänke sind in einer zugigen Halle. Die Autobahn daneben, deren Lärm nur eben bei der Einfahrt eines Zuges gedämpft wird, zeigt gleich wo hier die Präferenzen gelegt werden.


ICE 4 in Frankfurt Flughafen

An diesem Bahnhof länger als eine halbe Stunde warten zu müssen ist wie eine Gefängnisstrafe absitzen. Und zwischen Frankfurt Flughafen und Duisburg fahren ICE 624 und ICE 224 doch die gleiche Route. Ich kann also auch noch in Köln-Deutz, Düsseldorf oder Duisburg umsteigen, denke ich.


Wo sind wir denn eigentlich?

Nach der Abfahrt erreicht ICE 624 auf der Schnellstrecke Richtung Köln ab und zu beinahe die Geschwindigkeit von 300 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit schwankt das Gefährt bedenklich. Die Gleislage ist wohl auch nicht mehr das was sie mal war. Da stößt der Mann im Platz vor mir einen kurzen Fluch aus. Er hat soeben in der digitalen Reiseinformation der deutschen Bahn erfahren dass der ICE 624 heute in Köln Hbf endet. Damit entfallen die Halte in Köln-Deutz, Düsseldorf und Duisburg. Wie viele der anderen beginne ich hektisch im Fahrplan nachzusehen wie ich von Köln Hbf wieder zu einem dieser Bahnhöfe komme, wo ich dann in den ICE 224 Richtung Amsterdam einsteigen kann. Die einzige Möglichkeit ist wohl, eine der häufig verkehrenden S-Bahnen zwischen den Bahnhöfen Hbf und Deutz zu nehmen.


Schnellfahrstrecke Frankfurt - Köln entlang der Autobahn, wo die Gummikonkurrenz auch bei Verspätung langsamer ist...

Nur der Schnarcher bleibt unbeeindruckt von den Ereignissen. Der Sicherheitsexperte ist zwangsweise verstummt. Sein schweigsamer Kollege vertritt sich nämlich im Eingangsraum die Beine.


Gute Aussichten kurz vor Köln...

Ab Siegburg endet der rasante Teil der Fahrt. Im Stop und Go nähern wir uns Köln-Deutz. Jetzt hören die Betroffenen auch offiziell durch eine Durchsage dass der Zug in Köln Hbf enden wird und alle weiteren Halte entfallen. Eine Liste der Anschlusszüge wird in Deutsch und Englisch verlesen. Der Ankunftsbahnsteig wird auf Gleis 4 sein,


Auf der Hohenzollernbrücke zwischen Köln-Deutz und Hauptbahnhof

Wir sind aber noch lange nicht da. Häufige, auch längere Stopps wechseln sich mit kurzen, langsamen Weiterfahrten ab. Die Durchsage spricht wieder von überlasteter Strecke. Der Mann vor mir erklärt dass die Deutsche Bahn ab morgen den Bahnhof Köln Hbf völlig sperrt. Ein neues Stellwerk soll eingebaut werden. Allerdings hat jemand gerade noch rechtzeitig entdeckt dass in der zugrundeliegenden Software ein Fehler ist. Darum muss der Bahnhof nach einiger Zeit, wenn die Software nachgebessert ist, nochmals für zwei Wochen geschlossen werden.


Die Hohenzollernbrücke mit dem Kölner Dom im Hintergrund

Durch die Ankündigung der Ankunft in Köln Hbf hatten viele ihre Sitze schon aufgegeben und warten im Gang darauf dass sie das sinkende Schiff endlich verlassen können. Der Sicherheitsexperte kommentiert das mit den Worten “Mit einem Witz ist es wie mit einem Zug, er muss ankommen”. Wir kommen auch an, nämlich in Köln-Deutz. Dort stehen wir am Bahnsteig aber die Türen gehen nicht auf. Rechts neben uns kommt ein anderer besetzter ICE zum stehen. Warum man hier nicht aussteigen kann obwohl der Zug doch hält bleibt rätselhaft.


Die Träger der Hohenzollernbrücke

Es ist ein bisschen wie bei Mensch ärgere dich nicht. Offenbar wird jetzt gewürfelt wer als erster fahren darf. Im Waggon werden die ersten Wetten abgeschlossen wer gewinnt. Der dicke Mann weiter vorn schnarcht immer noch. Wird er auch aussteigen? Die Menschen um ihn rum fragen sich ob sie ihn aufwecken sollen, beschließen dann aber dass er seine Ruhe verdient hat. Wenn Leute aus ihrem Schlaf geschreckt werden kann das unangenehm werden. Das Leerräumen des Zuges ist ja wohl die Aufgabe des Personals.


Köln hat auch noch andere Kirchen.... die romanische Kirche St. Martin, die auf einem römischen Tempel steht

Jetzt scheint der andere ICE zu gewinnen. bewegt sich langsam an uns vorbei Richtung Hbf, kommt dann aber wieder zum Stehen. Ich kann die roten Rücklicht gerade noch rechts vor mir sehen. . . Dann dürfen wir wieder, stehen dann auf der Brücke neben unserem Konkurrenten. Wir starren uns von Fenster zu Fenster an. Dann geht es wieder langsam weiter, wir haben gewonnen, erreichen aber Gleis 8 statt Gleis 4. Vielleicht haben wir uns wieder verfahren?


Köln Hbf

Die S-Bahnen zurück nach Köln Deutz fahren von Gleis 10. Dazu muss man die Treppe runter und auf der anderen Seite wieder hoch. Die Kapazität der Bahnsteige ist bei weitem nicht ausreichend wenn sich die gesamte Menschenmasse aus einer ICE Doppelgarnitur mit 16 Waggons auf einmal über den Bahnsteig, die Treppen oder Aufzüge ergießt. In der gepackten Menge kann man nur mehr dem Strom folgen. Ich werde zur Treppe getrieben. Dort wuchten meine Mitpassagiere fluchend ihre Rollkoffer nach unten. Ich versuche in dem Gedränge nicht zu Fall zu kommen. Die Handgriffe rechts und links sind unerreichbar. Ein paar andere wollen gleichzeitig nach oben und blockieren den menschlichen Fluss, schmiegen sich an die Wand um nicht wieder nach unten gespült zu werden.


Warum scheint im Bahnhof immer jeder zu hetzen....?

Unten versuche ich zwischen all dem Kommerz den Aufgang zum Gleis 10 zu erreichen ohne dass ich von irgendjemand umgestoßen werde oder über einen vor mir gezogenen Rollkoffer stürze. Als ich das Gleis 10 erreiche steht eine S-Bahn abfahrbereit ganz am anderen Ende des Bahnsteigs. Man muss hier aufpassen und an der richtigen Stelle stehen. Da der Bahnhof Köln Hbf eigentlich für die Menge der Fahrgäste viel zu klein ist hat man die Bahnsteige zweigeteilt um gleich zwei unterschiedliche Züge am gleichen Bahnsteig unterzubringen. Bevor ich das ferne Ende des Bahnsteig 10 erreicht habe fährt die S-Bahn ab. Stattdessen kommt eine Regionalbahn nach Lüdenscheid, die ich auch bis Köln Deutz nehmen kann. Die stoppt aber wieder am hinteren Ende des Bahnsteigs. Also wieder zurück.


Unterführung von Gleis 11 nach 12 in Köln Deutz. Man hätte zumindest ohne großen Aufwand ein Band für die Rollkoffer installieren können

Mit seinen zwei Etagen von Gleisen, seiner Eingangskuppel und den Reliefs in den Unterführungen ist Köln Deutz ein sehenswerter Bahnhof. Bei Reisenden, insbesondere mit Gepäck ist er wohl eher unbeliebt, insbesondere wenn man aus Richtung Köln Hauptbahnhof kommt und Richtung Duisburg will, oder umgekehrt. In der Zeit der preußischen Eisenbahnverwaltung, als der Bahnhof in seiner jetzigen Form 1913 gebaut wurde, gab es wohl Gepäckträger, die gutes Geld damit verdienten den gutsituierten Reisenden von den Gleisen des oberen Bahnhofsteils zu den Durchgangsgleisen unten zu helfen. Heute müssen die Reisenden ihr Gepäck selber über die Treppen schleppen.


Das würde diesen Leuten sehr helfen...... erschöpft vom Koffenschleppen

Denn nach über hundert Jahren gibt es hier noch immer keine Lifte und Rolltreppen die alle Bahnsteige miteinander verbinden. Ob die geplanten Lifte die Massen aufnehmen können, für die dieser Bahnhof nie berechnet war, ist fraglich. Nur ein kleiner Teil der oberen Bahnsteige sind bisher über Rolltreppen erreichbar. Will man von oben zum Gleis 12 tief Richtung Düsseldorf, dann muss man erst eine Treppe nach unten in den zentralen Tunnel, von dort über eine weitere Treppe nach unten zu der Unterführung die die Gleise 11 und 12 verbindet, und dann auf der anderen Seite wieder eine Treppe nach oben. Ein Albtraum für jeden Rollkofferträger. Für einen Rollstuhl eine Unmöglichkeit.


Blick in den gegenüber fahrenden Zug

Die frühere Bahnhofshalle hat den zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Es gibt Überdachungen aber eine geplante neue Halle wurde nie realisiert obwohl Köln Deutz zu den Bahnhöfen gehört, für die der Infrastrukturbetreiber DB InfraGo für die Bahngesellschaften, die den Bahnhof anfahren, die höchsten Kosten rechnet.


Kaiser Wilhelm I (1797-1888) wacht über seine Brücke

Heute macht das nichts aus – für einen Novembertag ist es angenehm warm und trocken und man kann draußen im Freien sitzend auf einer der Bänke auf die Ankunft des Zuges warten. Gegenüber, wo man den Bahnsteig auch über eine Treppe von der Rheinpromenade aus erreichen kann, kramt ein Sandler im Abfallbehälter nach leeren Pfandflaschen. Stattdessen findet er eine Chipstüte. Offenbar ist noch was drin. Er stopft die Reste in den Mund und verschwindet in der Dunkelheit der Nacht. Ich fühle in meiner Tasche. Die Temperatur der Kühltasche ist von der Umgebung nicht mehr zu unterscheiden. Und noch mindestens zweieinhalb Stunden bis zu meinem Kühlschrank.


Einfahrt des ICE 620 in Köln Deutz tief

Während ich warte kommt der ICE 620 an. Der wäre zwei Stunden nach dem ICE 624 aus Nürnberg abgefahren. Wegen eines Polizeieinsatzes hat er eine Verspätung von etwa einer halben Stunde. Ich kann mir vorstellen wie etwaige Anschlussreisemde die in einen anderen Zug umsteigen müssen, da drin jetzt bibbern um ihren Anschluss. Verpasst man jetzt so spät zum Beispiel den nach Amsterdam, dann kann man wohl in Köln übernachten. Aber auch mein ICE 224 nach Amsterdam kommt etwas verspätet an. Er musste wohl auf den 620 warten. Immerhin kommt er, denke ich.


Nächster ICE Halt nach Köln ist Düsseldorf. Die Wartezeit kann man nach den auftauchenden Bettlern abzählen.... 20 min + 5 Bettler

Um 21.05, 15 Minuten später, kommt der ICE 224 tatsächlich in Köln Deutz an. Drinnen ist es angenehm leer und ruhig. Ich hänge meine Jacke auf, stelle mein Gepäck in die Ablage und lege mein Buch bereit. Der nagelneue ICE hat sogar wieder Leselampen (die wurden in der vorherigen Serie eingespart) so dass man seine eigene nicht mehr mitzubringen braucht. Die ich beinahe immer vergesse. Aber warum fährt der Zug nicht ab?


Oberhausen Hbf

Eine Durchsage bringt die Teilerklärung. Man wartet auf die Bundespolizei. Erst wenn sie in diesem Zug eingetrudelt ist kann weiter gefahren werden. Früher gab es die Bahnpolizei. Die hatte auf jedem größeren Bahnhof eine Dienststelle und im Fall von Problemen – die nur selten vorkamen, denn früher war alles besser und der Bedarf beschränkte sich auf Betrunkene und zu berechenbaren Zeiten auf Fußball – Hooligans – waren sie sofort zur Stelle. Heute sind sie wohl hauptsächlich damit beschäftigt, die Grenzen zu kontrollieren die ja eigentlich frei passierbar sein sollten. Und in Norddeutschland ist die Westgrenze so offen dass jeder sowieso einfach über ein Feld ins Nachbarland laufen kann.


Hier findet man zumindest einen ungestörten Platz zum Schlafen

Nach einiger Zeit geht’s weiter. Genauere Erklärungen für den Aufenthalt werden nicht geliefert. Stattdessen verzögert sich die Abfahrt in Düsseldorf erneut. Offenbar ist die Bundespolizei in Köln Deutz nicht eingetrudelt und deshalb wartet man jetzt in Düsseldorf auf die Trachtentruppe. Bei pünktlicher Ankunft des ICE 224 in Utrecht um 23.03 hätte ich um 23.13 einen Intercity nach Den Haag nehmen können. Der ist dann um 23.54 in Den Haag Centraal. Zu spät für die letzte Straßenbahn. Wegen den Sparmaßnahmen der holländischen Reichsregierung wurden die letzten Straßenbahnverbindungen am Abend gestrichen. Statt um 00.15 fährt meine letzte jetzt schon um 23.45. Ich muss also sowieso ein Taxi nehmen.


Erwartungsvolle Reisende der NS

Wenn der ICE 224 aber noch weiter trödelt dann muss ich die Nacht im Bahnhof in Utrecht verbringen. Der letzte IC nach Den Haag fährt um 00.13. Der folgende am Morgen um 3.10. Ist eigentlich auch nur eine Wartezeit von 3 Stunden in der ich bequem lesen kann. Und die Kühltasche kann auch nicht mehr wärmer werden…..



Der Zustand des Bahnhofs Utrecht CS im Jahr 2003 während der Modernisierung

Trotz einiger weiterer Verzögerungen auf dem Weg zur Grenze hat der ICE 224 in Utrecht aber dann nur eine Verspätung von einer halben Stunde. Ich erreiche den Intercity um 23.43 nach Den Haag. Selbst dort gibt es noch eine Verzögerung, denn aus unerfindlichen Gründen stehen selbst nach Mitternacht im Bahnhof Den Haag Centraal nicht genug Gleise für unsere Einfahrt zur Verfügung. Diesen Bahnhof haben sie gerade „vereinfacht“, d.h. unnötige Weichen entfernt. Das merkt man jetzt schon…..


Bahnhof Den Haag Hollandspoor. Der überdachte Eingang ist für die Privatgemächer des Königs der nie kommt - die anderen können auf dem Weg in den Bahnhof ja nass werden

Ein freundlicher und hilfsbereiter kurdischer Taxifahrer bringt mich nach Hause. Es ist 0.40 als ich die Haustür aufschließe, etwa 2,5 Stunden später als geplant. Ich leg den Inhalt der Kühltasche in den Kühlschrank. Ich hoffe er hat überlebt.


Strassenbahn der HTM in Den Haag

Eigentlich sind 2.5 h Verzögerung ja gar nicht so schlimm. Immerhin hatte ich eine sehr unterhaltsame Fahrt. Durch die Verspätung hab ich wieder Stoff zum Schreiben. Und ich bin in meiner Lektüre weit fortgeschritten. Und ich weiß dass ich unbedingt mal den Ort Sterbfritz besuchen muss. Nicht auszudenken wie öde es wäre 7 oder mehr Stunden alleine in einem Auto auf der Autobahn zu verbringen.


Straßenbahn an der Stadtgrenze von Den Haag

Und dann ist so eine verspätete Reise natürlich auch noch unglaublich billig. Schon wenige Tage später erhalte ich eine Rückerstattung von 50%. Mit dem Fahrgeld hätte ich noch nicht mal das Benzin für die Rückfahrt bezahlen können.

Tuesday, December 9, 2025

Between Bruges and Nuremberg

Globalization in the Middle Ages

A train journey from Bruges to Nuremberg takes about 7.5 hours these days. You have to change trains in Brussels Midi to the ICE to Frankfurt and then continue on to Nuremberg. The layover of almost an hour in Brussels is rather long. In contrast, 20 minutes in Frankfurt, due to the usual delays from the German border, is rather too short to catch the connection.


Bruges main station

I didn't have breakfast and thought the long layover in Brussels would offer enough opportunity. I dragged myself through the depressing main pedestrian underpass of the European capital. There was a waffle stand, and my stomach was craving waffles with strawberries. But the waffle stand was the only one with a long queue. Then there was Starbucks, cookies from Maison Dandoy, The Belgian Chocolate House, and pizza and hamburger stands. Nothing appealed to me, and there wasn't a single inviting place to sit. And this in Belgium, a country renowned for its coziness and good food. At least there are enough seats. I sit down in the drafty, cool passageway and hope that there will be something available in the ICE 15 train restaurant.


Hauptmarkt Nürnberg

In the Middle Ages, Nuremberg was a hub at the center of trade routes. Nuremberg merchants were highly interested in trading cloth from Flanders and Brabant or carpets from Brussels. Even then, long distance travel was common for this purpose. A map based on Erhard Etzlaub's work from 1533, the oldest surviving road map in the world in its original 1499 edition, depicted the routes of trade and pilgrimage paths as points, the number of which represented the distance in miles. Depending on the mode of transport, the journey took 20-40 days. Express couriers could probably have covered the 700-800 km route in 4-6 days.


City model of Nürnberg from 1540 (reproduction)

An exhibition at the Germanisches Nationalmuseum in Nuremberg is currently exploring the global network of the Free Imperial City of Nuremberg between 1300 and 1600. The Nuremberg patricians, often wealthy through investments in mining and metalworking, and of course trade, were true travelers. Many printed travelogues, often richly illustrated, have survived from these journeys.


First road map ever.... Erhard Etzlaub's 1533 edition of the 1499 map (north is at the bottom)

Not all journeys were for trade. In 1546, for example, Sigmund von Herberstein set off eastward as an envoy of the Habsburg government, traveling via Krakow and Vilnius to Moscow. He published a travelogue of his journey in 1546. Other travelers were pilgrims, such as Hans VI Tucher, who journeyed as far as Cairo, Alexandria, and Jerusalem.


Traveloge of Sigmund von Herberstein trip to Moscow in 1546

Just as today, it was popular to bring back souvenirs from such trips. Interestingly, these souvenirs were already being produced specifically for sale to tourists. For instance, Stefan Praun acquired a model of the tomb of the crusader Godfrey of Bouillon as a souvenir. Praun was a passionate traveler. He also made a pilgrimage to Santiago de Compostela, but he also visited the Netherlands, Algiers, Marseille, Venice, and Rome.

Traveloge of Johann Wild's involotary journey as a slave to as far as Abessynia, printed in 1613

Involuntary journeys also occurred. Johann Wild, a 19-year-old imperial soldier, was captured in Hungary and sold to the Ottomans. As such, he embarked on a seven-year odyssey with various masters, traveling to places including Egypt, Mecca, Yemen, Abyssinia, Jerusalem, and Damascus. But there were also imposters. For example, Hieronymus Köler from Nuremberg described a journey to Venezuela, a place he had never been to.


Schöner globe of 1520 with the American East coast at the left reflection

Travelers of that time had limited resources. Martin Behaim from Nuremberg, who was married to a Portuguese woman and offered his services to the Portuguese king, is considered the inventor of the first globe, a copy of which is held by the Germanisches Nationalmuseum. The Schöner Globus from 1520 is particularly beautiful. It already depicts the east coast and Cuba of the American continent and the Caribbean islands. After 500 years the globe still looks like new....


Print of Nuremberg in Schedel's world chronicle originally published in 1499

The printing press also enabled the dissemination of standard works such as the Nuremberg Chronicle of 1499, a copy of which, showing the city of Nuremberg, is on display in the exhibition.


Panel showing Martin Behaim and his Portuguese wife

In 1505, Peter Henlein of Nuremberg invented what could be considered a pocket watch. Before that, telling time while traveling was a matter of the sun's position. Portable sundials existed for this purpose, which could be correctly aligned in different regions using dials that depended on the altitude of the pole. Such folding sundials were still being manufactured as late as 1580.


Folding sun dials from 1511 and 1580 still displaying the correct hour after 500 years without any use of AI

Travel brought the customs and traditions of foreign lands to Nuremberg. Women were interested in the latest fashions from distant lands, and elaborate fashion catalogs were printed. Exotic souvenirs were used in the applied arts. The exhibition, for example, displays goblets whose containers are made from richly detailed coconut shells or ostrich eggs. Exotic shells were incorporated into other vessels, or plates were inlaid with mother-of-pearl in India, and the metal was then further processed in Nuremberg.


Coconut based goblet

The art scene in the 16th century was also international. Albrecht Dürer the Elder, goldsmith and father of the famous artist, was born in Hungary and had worked in the Burgundian Netherlands. His wife, Barbara, Albrecht's mother, was portrayed by her famous son in 1490. It was one of his first paintings and a signpost for his future work. She was the daughter of Hieronymos Holper, another renowned Nuremberg goldsmith of the time.


Albrecht Dürer's portrait of his mother, 1490

The painter Albrecht Dürer himself undertook a long journey to the Netherlands in 1520-1521. Although he spent most of his time in Antwerp, he also visited Bruges, Ghent, and Mechelen. During this time, he produced a large number of portraits, sketches, and animal studies.


Albrecht Dürer's house at the Tiergärtner Tor square in Nürnberg

The votive painting of Stephan Praun from 1511 illustrates the dangers that travel could entail during this period. The merchant Praun was traveling to Italy with his goods. On Lake Garda, his ship was caught in a storm. His group was then harassed by Venetian mercenaries from the Peloponnese, who were known for taking no prisoners. The painting shows Praun kneeling in the lower left, thanking the Virgin for his deliverance.


Votive painting in gratitude of Stephan Praun's safe returen in 1511

Like almost all train connections between Brussels and Cologne, the ICE 15 is practically packed. However, there's still a table for me in the restaurant car, and I'm promptly served pumpkin soup as a late breakfast. Shortly after Brussels, the first announcement is made advising passengers to keep an eye on their luggage and especially their valuables, as these trains are often a playground for robbers and pickpockets. Although so far only a few madmen have actually tried to kill somebody on a train, the comparison to medieval travel is not far-fetched. Upon arrival in Liège less than an hour later, it's clear that two passengers in first class and one in second class have been robbed. Despite the announcement being repeated regularly, the thief apparently remains on the train undisturbed. Beyond Aachen the thief has found another victim, An Asian traveler is frantically searching the carriages for his laptop. Perhaps neither the thief nor the victim had heard or understood the announcements. At the next table, they're discussing the need for "rail marshals." High noon on the Intercity Express. Traveling is becoming exciting again.


Medieval souvenir: model of the tomb of the crusader Godfrey of Bouillon

Before Cologne, an announcement was made requesting a doctor or nurse to assist a passenger in the front carriage. This usually causes long delays, as the trains have to wait at the next station for the doctor or nurse to arrive. However, we continue on our way. Accidents and illnesses were, of course, fatal for travelers in the Middle Ages. The Nuremberg patrician Peter Volckamer died in Siena in 1432 during an official mission to King Sigismund. The mining entrepreneur Hans Tetzel, who had established a mine operated by slaves in Cuba, died in Madrid in the 16th century.


Epitaph for Peter Volckamer who died in Siena while traveling 

Hospitals were few and far between, and the knowledge of physicians was limited. A wealthy, large city like Nuremberg, however, had a hospital. It was the Holy Spirit Hospital (Heilig Geist Spital), one wing of which is built like a bridge over the Pegnitz River, which flows through Nuremberg. The hospital, originally founded in the 14th century, was expanded several times, including the bridge-like addition spanning the Pegnitz. By order of Emperor Sigismund, the Imperial Regalia were kept in the hospital chapel. Naturally, the building was thoroughly destroyed in World War II. The modern reconstruction now houses, as it did originally, a retirement home, a pharmacy, and a traditional restaurant.


Heilig Geist Spital in Nürnberg, hospital and retirement home found in the 14th century

In wealthy Bruges, the corresponding institution was St. John's Hospital (St. Jams Hospital). A facility for the care of the sick existed here as early as 1150, making it the oldest hospital in Europe. Around 1200, the enormous hospital hall was built, which still stands today and houses a fascinating museum about the hospital's history.


St. Jan's hospital in Bruge found before 1150

In addition to the hospital, there was also a men's monastery, built in the 14th century, and a women's monastery dating from 1544. Previously, the nuns had to sleep in the attic of the hospital hall. In the 19th century, it finally became clear that new buildings, adapted to the advances of medicine, were necessary. The building complex, which was continually expanded, operated as a hospital until 1977. After relocating to a modern building on the outskirts of the city, the historic complex was converted into a museum and convention center.


Inner court buildings of St. Jan's hospital

In the museum, a painting by Jan Beerblock from 1778 illustrates what life was like in a medieval hospital. Explanations of the individual scenes can be accessed on a screen. Double rows of cots stand in the room. To the right, you can see the litter in which the sick were brought to the hospital. A group of important-looking doctors are discussing a patient's case. Another is feeling a pulse. Medicine is being served. A nun is reading the last rites to a dying woman in a bed in the corridor.


Painting by Jan Beerblock from 1778 displaying the interior of St. Jan's hospital

Meanwhile, nuns are distributing food onto plates. Nearby, sanitary dressings are being boiled. Cats and dogs were common in hospitals and can be seen in various places.


Detail of the painting displaying a dog begging for food intended for the sick

Even as late as 1850, the average life expectancy was only 35 years. This was also due to the high infant mortality rate. 41.7% died before their fifth birthday. The main causes of death were plague, smallpox, malaria, dysentery, cholera, tuberculosis, and the Spanish flu. But despite the primitive methods, 85% of patients left the hospital alive in the Middle Ages.


Detail displaying doctors discussing the fate of one of the sick, feeling the pulse, cleaning and reading the last sacrament

In contrast, working in the hospital was extremely dangerous. Sixteen percent of the nurses died within five years.


Medieval ambulance: litter used to bring patients to the hospital

A display case contains instruments that were available to doctors at that time. The saw used for amputations is particularly prominent.


Medieval surgeon's tools

Some diseases are now completely or almost extinct. The plague for decades has only occurred in a few isolated cases in Madagascar. A display panel describes the medieval treatment of bladder stones. The Roman physician Aulus Cornelius Celsus described a lithotomy, or stone removal. The Celsus method, named after him, remained the standard method for removing bladder stones until the 17th century. In the Middle Ages, specialized stonecutters traveled from town to town. The patient sat on an armchair. Two assistants held his legs. The stonecutter inserted two fingers into the patient's anus to push the stone down. He inserted a catheter into the urethra, which was held by a third assistant. He made an incision in the pelvic floor below the anus until he reached the stone and then removed it with forceps. And all this without anesthesia!


The wounds healed slowly, and many patients remained incontinent for a long time. Often, they eventually died from the bleeding and infections caused by the procedure.


Historic pharmacy of St. Jan's hospital

The hospital's pharmacy is also preserved on the grounds. Many of the medications were formerly made in-house from a variety of basic ingredients.


Hans Memling triptic painted for St. Jan's hospital

St. John's Monastery was the main place of work for the famous Burgundian court painter Hans Memling. Memling was born around 1430 in Seligenstadt near Frankfurt, a town whose center looks hardly different today than it did in Memling's time. Via Brusselshe later came to Bruges. Another example of the globalization of that era. It is likely that Albrecht Dürer, who visited Bruges in 1499, about 20 years after Memling's death, also studied Memling's paintings at St. John's Hospital.


The woman on the right outside paned undressed on the back of the panel

From the same period as St. John's Hospital is the nearby Begijnhof. Begijnhofs were residences where single women could live. They were financed by wealthy, charitable benefactors. The beguines dedicated their lives to charity, caring for the sick and elderly, and producing crafts. A garden served for producing vegetables. Later, the beguinage also became the seat of a monastic community. Even today, it is inhabited exclusively by women.



Begijnhof in Brugge

I'm almost there. Another commuter train. As usual, everyone has parked their bags and backpacks in the seats next to them. An older woman in green has taken up an entire group of four seats. Her feet, clad in dirty shoes, are resting on the seat opposite her. In the seat next to me, she has placed her snack and thermos. The fourth seat is occupied by a bag and jacket. I point at that seat and ask if it's occupied, even though there's a whole group of four seats free on the other side of the aisle. With obvious reluctance, she pushes her jacket and backpack towards her feet and then continues chewing on her sourdough sandwich.


Begijnhof in Brugge

I'm reminded of my Amtrak journeys. In the US, it's frowned upon to occupy seats with luggage. The conductor would definitely say something to anyone doing it. But perhaps everyone in Germany is also afraid of their luggage going astray. Thefts seem to be rare on Amtrak trains. There, rolling suitcases are placed in the designated compartments at the end of the car. In Germany, they're left standing between the seats, taking up space. Maybe it would help if staff regularly patrolled the train. That's not so common in Germany anymore, and even when there is a conductor, they rarely comment.


Shrine painted by Hans Memling showing the arrival of pelgrims in the port of Bruges

Sources:

Information panels, Museum St. Janshospital
Nürnberg Global 1300-1600, Ausstellungskatalog, Deutscher Kunstverlag 2025


Fish market in Bruges, in the background de Burg